Der B2B E-Commerce wächst trotz gesamtwirtschaftlicher Herausforderungen kontinuierlich weiter und entwickelt sich zu einem der wichtigsten Umsatztreiber für Unternehmen. Der B2B-Marktmonitor 2024 – erstellt vom ECC KÖLN in Zusammenarbeit mit Creditreform, Intershop und CGI – bestätigt diese Entwicklung und gibt Einblicke in aktuelle Zahlenund Trends. Wir resümieren im Blog die zentralen Erkenntnisse der wichtigen Studie.
B2B E-Commerce in Deutschland: ein Markt im Wandel
Die wirtschaftliche Lage in Deutschland bleibt angespannt. Die allgemeine Kaufzurückhaltung und Produktionsdrosselungen haben dazu geführt, dass der B2B Gesamthandelsumsatz der betrachteten Hersteller und Großhändler im Jahr 2023 lediglich um 0,8 Prozent auf ca. 4,36 Billionen Euro gewachsen ist. Trotz der gesamtwirtschaftlichen Eintrübung bleibt der E-Commerce im B2B-Bereich auf Wachstumskurs und gewinnt immer weiter an Bedeutung, so die Prognose des B2B Marktmonitors 2024 des ECC Köln.
Ein Grund für dieses Wachstum ist die fortschreitende Digitalisierung im B2B-Handel. Kunden erwarten zunehmend eine ähnlich nahtlose und intuitive Einkaufserfahrung wie sie es aus dem B2C-Bereich gewohnt sind. Unternehmen, die ihre digitalen Vertriebsstrategien anpassen, profitieren daher von steigenden Online-Umsätzen und einer verbesserten Marktposition.
B2B E-Commerce-Umsätze 2023
Die B2B E-Commerce Umsätze 2023 verdeutlichen, dass digitale Vertriebskanäle nicht mehr nur eine Ergänzung zu traditionellen Handelsmodellen sind, sondern längst ein zentraler Bestandteil des B2B-Geschäfts geworden sind. Bereits heute werden mehr als ein Drittel aller Umsätze im B2B-Bereich über digitale Kanäle generiert – ein Trend, der sich in den kommenden Jahren weiter verstärken dürfte:
- B2B E-Commerce Umsatz (Internethandel + EDI): 1,44 Billionen Euro (+ 8,1 Prozent)
- B2B-Internethandel (Shops & Marktplätze): 476 Milliarden Euro (+ 11,7 Prozent)
- Anteil am Gesamtumsatz der Hersteller und Großhändler: 33,1 Prozent (E-Commerce inkl. EDI)

Relationen der Umsatzanteile im B2B-Handel für Hersteller und Großhandel (Quelle: ECC Köln)
Onlinehandel wächst schneller als der Gesamtmarkt
Während der gesamte B2B-E-Commerce um 8,1 Prozent wuchs, entwickelte sich der B2B-Onlinehandel – also der direkte Verkauf über Onlineshops und Marktplätze ohne EDI (Electronic Data Interchange) – mit 11,7 Prozent noch dynamischer. Das zeigt, dass sich Unternehmen immer stärker auf die digitalen Vertriebskanäle fokussieren, welche die klassischen Bestellprozesse zunehmend ablösen.
Dieser Trend zeigt sich nicht nur in den absoluten Zahlen, sondern auch in der Art und Weise, wie Unternehmen ihre Vertriebsstrategien gestalten. Viele Hersteller und Großhändler investieren verstärkt in optimierte Onlineshops, nahtlose Bestellprozesse und personalisierte Einkaufserlebnisse, um den steigenden Anforderungen ihrer Geschäftskunden gerecht zu werden.
Marktplätze als Wachstumstreiber
Marktplätze wie Amazon Business, Mercateo oder Alibaba gewinnen im B2B-Bereich zunehmend an Bedeutung. Mit einem stabilen Marktanteil von 25 Prozent sind sie ein wesentlicher Wachstumsmotor für den digitalen Handel. Besonders stark war das Wachstum zwischen 2018 und 2023, als die Umsätze auf Marktplätzen durchschnittlich um 21,5 Prozent pro Jahr stiegen.
Dennoch bleiben die meisten Unternehmen ihrem eigenen Vertriebskanal treu: 75 Prozent des B2B-Internethandels werden weiterhin über firmeneigene Onlineshops abgewickelt. Dies zeigt, dass viele Unternehmen bewusst auf direkten Kundenkontakt und individuelle Preisgestaltung setzen, während Marktplätze vor allem als zusätzliche Reichweitenkanäle genutzt werden.

Der Großteil der Umsätze wird nach wie vor über Onlineshops umgesetzt. Jedoch sind Marktplätze klarer Wachstumstreiber im B2B-Onlinehandel. (Quelle: ECC Köln)
Branchen mit den stärksten Zuwächsen im B2B E-Commerce
Nicht alle Branchen profitieren in gleichem Maße vom Wachstum des B2B-Onlinehandels. Einige Segmente zeigen besonders starke Zuwächse und treiben die digitale Transformation weiter voran:
- Chemische & pharmazeutische Erzeugnisse: + 15,3 Prozent
Besonders die Pharma- und Chemieindustrie setzt verstärkt auf digitale Bestellprozesse, um die Lieferketten effizienter zu gestalten. - Baustoffe & Metalle: + 14,1 Prozent
Die steigende Nachfrage nach Baumaterialien und Rohstoffen führt zu einem wachsenden Online-Handel in diesem Bereich. - Maschinenbau: + 12,7 Prozent
Komplexe Maschinen und Ersatzteile werden zunehmend über digitale Plattformen gehandelt, wodurch Beschaffungsprozesse vereinfacht werden. - Elektronik & IT-Komponenten: + 10,8 Prozent
Der Bedarf an elektronischen Bauteilen steigt, insbesondere durch die fortschreitende Automatisierung und Vernetzung von Produktionsprozessen.
Auch der Automobilsektor ist dabei, den digitalen Vertrieb für sich zu entdecken. Der Onlinehandel mit Kraftwagen, -teilen und Fahrrädern wächst überdurchschnittlich stark, da sich immer mehr Unternehmen für digitale Ersatzteil-Bestellungen und Direktverkäufe entscheiden.
Einsatz von KI und Betrugsprävention im Fokus
Neben dem reinen Umsatzwachstum beschäftigen sich B2B-Unternehmen zunehmend mit zukunftsweisenden Technologien, um ihre Prozesse effizienter zu gestalten. So nimmt der Einsatz von KI-gestützten Systemen rasant zu. Viele Unternehmen setzen KI bereits in folgenden Bereichen für eine Optimierung ein:
- Dynamische Preisanpassungen: Algorithmen analysieren Marktentwicklungen und passen Preise automatisch an.
- Personalisierte Produktempfehlungen: Basierend auf vergangenen Bestellungen werden den Kunden individuell passende Produkte vorgeschlagen.
- Prognosen für Nachfrage & Bestellmengen: Durch datenbasierte Analysen können Unternehmen ihre Lagerbestände optimieren und Lieferengpässe vermeiden.
B2B E-Commerce – Bedeutung der Betrugsprävention wächst
Mit dem Boom des Onlinehandels steigt jedoch auch das Risiko von Betrugsversuchen. Unternehmen müssen sich stärker mit Sicherheitsmaßnahmen auseinandersetzen, um sich vor Zahlungsausfällen und Identitätsdiebstahl zu schützen. Zu den häufig genutzten Methoden gehören:
- Identitätsprüfungen bei Erstbestellungen neuer Kunden
- Plausibilitätskontrollen für ungewöhnlich hohe Bestellmengen
- Zwei-Faktor-Authentifizierung zur Absicherung von Kundenkonten
Fazit
Die Zahlen des B2B-Marktmonitors 2024 zeigen eindrucksvoll, dass der digitale Vertrieb im B2B-Sektor nicht mehr wegzudenken ist. Während der Gesamtmarkt stagnieren oder sogar schrumpfen könnte, wächst der E-Commerce weiter zweistellig. Besonders Onlineshops und Marktplätze gewinnen an Bedeutung, da Unternehmen zunehmend auf digitale Self-Service-Modelle und automatisierte Bestellprozesse umsteigen.
Wer im B2B-Handel wettbewerbsfähig bleiben möchte, muss verstärkt auf digitale Vertriebskanäle setzen. Unternehmen, die frühzeitig in E-Commerce-Plattformen, KI-gestützte Analysen und Betrugsprävention investieren, werden langfristig von den wachsenden Marktpotenzialen profitieren. Entscheidend für den Erfolg der Umsetzung ist jedoch eine sorgfältige Planung. Es lohnt sich, hier in die Unterstützung eines Experten mit Erfahrung zu investieren.
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